Legende : Saxo Grammaticus: Sagen und Legenden. Der berühmte mittelalterliche Geschichtsschreiber berichtet in 9 Büchern von unseren nordischen Vorfahren

Saxo Grammaticus: Sagen und Legenden. Der berühmte mittelalterliche Geschichtsschreiber berichtet in 9 Büchern von unseren nordischen Vorfahren

EUR 7,95


Eher nacherzählt als übersetzt! - Mein erster Eindruck des Buches war enttäuschend. Schon der erste Satz der Vorrede dieser sogenannten Übersetzung beginnt mit: Wir kennen die Vorrede, die Saxo seinem sagenumwobenen Werk voranstellte.... Kennen wir sie? Haben wir nicht gerade ein Buch zur Hand genommen, um sie kennen zu lernen?Hat man sich aber erst einmal von dem Schock erholt, Saxos Text nicht in seiner ursprünglichen Form (nämlich an einem Stück) vorzufinden, kann man durchaus positive Seiten an Hubes Werk entdecken. Eine davon ist zweifelsohne die umfassende Ausstattung mit Kommentaren. Häufig zieht der Author Vergleiche zwischen Saxo und anderen mittelalterlichen Quellen (Adam von Bremen, Snorre etc.), gibt Zusatzinformationen oder klärt darüber auf, was tatsächlich historisch belegt ist und was angenommen werden darf. Wer also Saxos Chronik erläutert haben möchte und wissen will, welche historisch verwertbaren Informationen sie liefert, der findet in Hubes Buch auch Nützliches.Das Hauptproblem des Lesers ist, dass er Hubes Kommentare mitlesen MUSS, denn sie stehen mitten im Text. Sie bilden Überleitungen oder fassen ganze Textabschnitte (auch ohne nachfolgende Übersetzung) zusammen. Wer sich dann noch an Hubes Sprache stört, kann das Buch nicht weiterlesen. Er schreibt mit einer deutlichen Neigung zu alten oder auch nur alt klingenden Wendungen (Ger statt Speer, Aar statt Adler, Mannen statt Männer). Darüberhinaus übersetzt er Saxos lateinische Wörter sehr frei in einen germanischen Kontext. So finden wir im Text Elfen, Nornen oder Asen auch wenn die Zuordnung der lateinischen Wörter auf diese Bedeutungen unklar ist. Das lat. Wort concilium (Versammlung) wird bei ihm fast immer mit Thing übersetzt, auch wenn ein Thing eigentlich eine Volksversammlung ist und häufig diese garnicht gemeint ist. Auch ein Zweikampf (duellum) ist für ihn immer gleich ein Holmgang, auch ohne Insel. Als Leser ist man sich demnach ständig unsicher ob Saxo wirklich diese oder jene germanischen Begiffe meinte oder sie nur von Hube hineininterpretiert wurden.Fazit:Hubes Werk ist eine seltsame Mischung aus Übersetzung, Nacherzählung und Texterläuterung. Wer eine wissenschaftliche Übersetzung (á la Reclam) erwartet, sollte die Finger davon lassen. Wer jedoch damit leben kann, den Inhalt von Saxos Chronik durch die Augen eines anderen zu sehen, um sie überhaupt einmal kennen zu lernen, der sollte hier zugreifen. Letzlich sind die Geschichten der ersten 9 Bücher ja schließlich doch in diesem Buch finden, ob nun als Nacherzählung oder Übersetzung.Für all jene, die Saxos Text vollständig und zusammenhängend suchen, empfehle ich die dänische Ausgabe von Peter Zeeberg.

Mein Eindruck bei der Ansicht des Exemplars - Ich hab mir das Buch vor ein paar Tagen in der Bücherei meines Vertrauens angesehen, zuerst glücklich das ich für billig Geld dieses Werk bekommen könnte - dann aber enttäuscht weil ich es nicht verwerten kann. Speziell hab ich nach dem Text der Mithotyn Geschichte gesucht die in der Gesta Danorum enthalten ist - aber bei Hube gar nicht im Register erscheint! Da ich nicht weiß in welchem der Bücher Saxos diese Geschichte erwähnt wird und ob sie bei Hube dennoch enthalten ist, kann ich also nur nachvollziehen wenn ich das ganze Buch durchlese. Schon das war für mich ausschlaggebend den Titel nicht zu kaufen. (Vollständigkeit?) Dann mißfällt mir insgesamt die sehr flapsige Sprache die man in einem tendenziösen populärwissenschaftlichen Werk erwartet kann (was es in der Tat ist), aber nicht in der Wiedergabe von Texten die seit dem Jahr 1900 nicht neu übersetzt wurden. Drittens: wenn ich mich in einem Text zum Thema in wissenschaftlicher Weise auf die Dänengeschichte beziehen will, bekomm ich von Hube keine dezidierten Quellenangaben - so wie man das z.B. bei Reclamausgaben von Tacitus Germania wiederfindet. Die Texte Grammatikus sind in die (über-)reichhaltigen Kommentare Hubes eingelassen und Saxos Geschichte wird damit umgekehrt zum Aufhänger der Kommentare Hubes. All das macht das Werk zu einer amüsanten Literatur für am Rande Geschichtsinteressierte (und so gesehen für den Preis sicher auch in Ordnung !), aber für ernstgemeinte historische Recherchen ist das Werk völlig unbrauchbar.

Unwissenschaftlich und grauenhaft geschrieben - Zunächst ist zu sagen, daß die Behauptungen auf dem Cover und im Vorwort blanke Lügen sind. Saxos komplettes Werk besteht schließlich nicht aus den hier behandelten 9, sondern insgesamt aus 16 Büchern, vollständig kann man das hier vorgelegte also keinesfalls nennen. Hubes Buch selbst ist grauenhaft zu lesen, ständige Kommentare, die vom eigentlichen Text nicht richtig abgegrenzt sind, stören eher, als daß sie nützlich sind (zumal Hube sich überwiegend auf Theorien/Forschungsmeinungen bezieht, die längst veraltet sind oder sogar nie akzeptiert wurden, so etwa die im 19. Jahrhundert noch üblichen naturmythologischen Deutungen und aktuelle pseudowissenschaftliche Werke von Reinhard Schmökel). Oft erzählt Hube auch einfach nur nach, anstatt zu übersetzen, ohne dies aber deutlich zu machen. Dazu kommt noch sein grauenhafter Schreibstil: In beinahe jedem Satz findet sich ein eingefügtes ja und in der Regel enden Sätze bei ihm mit einem Ausrufezeichen. Die ständige Verwendung der 1. Person Plural (Wir lesen weiter...) nervt ebenfalls, schließlich fühlt man sich als Leser bei so einem Machwerk keineswegs mit dem Autor in irgendeiner Weise verbunden. Sachliche Fehler, wie etwa, daß Hube immer Rígsmál anstatt richtig Rígsþula schreibt, mögen nicht gravierend sein, zeugen aber von einer Schlampigkeit, wie sie bei einem ehemaligen Skandinavistikprofessor so eigentlich nicht auftreten sollte.Man fragt sich auch, wen Hube sich eigentlich als Zielgruppe für sein Buch vorstellt. Die ständige Erwähnung unserer germanischen Vorfahren sowie die im Vorwort gelieferte, aber eigentlich nicht relevante Information: Immerhin überwiegen im heutigen Dänemark - und früher mag das viel stärker der Fall gewesen sein - europide Menschengruppen mit blondem, gewelltem Haar und blauen Augen lassen da so einiges vermuten, der Stil paßt jedenfalls besser in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts als in unsere Zeit.

Saxo zerstückelt - Saxos um 1200 verfaßtes Werk ist eine Hauptquelle für die germanische Mythologie, sie enthält z. B. viele Göttermythen (Odin, Ullr, Baldr) und ist Pflichtlektüre für jeden am Thema interessierten.Die nun vorliegende Übersetzung von Hans-Jürgen Hube erfüllt leider den Zweck, den der Titel verheißt, in keiner Weise. Denn einmal ist es keine vollständige Übersetzung, sondern es wurden nur die ersten neun Bücher übersetzt, während Saxos Werk ja vollständig 16 Bücher umfaßt. So fehlen also immer noch die wichtigen Abschnitte zur Missionierung der Wenden, über den Tempel von Arcona und den dortigen Kult. Noch viel störender ist es, daß Saxos Werk völlig zerschniten und immer wieder mit eingefügten Kommentaren zerstückelt ist. Oft ist nicht klar ersichtlich, welche Sätze von Saxo, und welche von H.-J. Hube stammen, hier wäre die Verwendung von unterschiedlichen Schriftarten hilfreich gewesen. Auch der Zusammenhang der einzelnen Teile des Saxo-Textes ist nicht klar. Fehlen Teile, oder kann man die einzelnen Stücke zusammensetzen? Jedenfalls ist es mit der vorliegenden Ausgabe nicht möglich, Saxo fortlaufend zu lesen, um sich so in diese Zeit und Saxos Denkweise hineinzuversetzen.Sehr ärgerlich ist auch, daß die Schreibweisen der Namen in Saxo s Original geändert wurden (etwa: Frode statt Frotho). Dies ist dann besonders störend, wenn Hube aus dem Mythos von Syritha und Otharus, der Freyja (Syriðr) und Óðr meint, nun Sigrid und Othar macht (S. 400ff). Hube übersetzt zwar richtig „Rex Sclavorum als „Wendenkönig (S. 118), nennt dann aber das Land „Slawien statt „Wendenland. In lateinischen Quellen dieser Zeit (so auch bei Saxo) aber steht nie der Ausdruck „Slawen, sondern immer „Sclaveni, was mit „Wenden übersetzt werden muß. Hube schreibt immerhin in Anmerkung 87 >Sclavia bei Saxo: Land der Sklaven< (S. 581), besser wäre aber, er hätte die Originalschreibweise im Text beibehalten oder als „Land der Wenden übersetzt.Es wäre zu wünschen, wenn der Verlag noch eine reine Textausgabe vorlegen würde, und dazu auch die fehlenden Bücher übersetzte. So ist das Buch nur für diejenigen zu empfehlen, die die alte Übersetzung von Paul Herrmann von 1901 nicht haben. Diese sollten sich dieses Buch aber schon besorgen, denn eine schlechte Ausgabe ist besser, als gar keine.




Saxo Grammaticus: Sagen und Legenden. Der berühmte mittelalterliche Geschichtsschreiber berichtet in 9 Büchern von unseren nordischen Vorfahren